1001 Nacht- ein Roadtrip durch Marokko

Marokko. Ein Land, in dem im deutschen Winter stets die Sonne scheint und daher der perfekte Ort für einen Urlaub im November, wenn die Tage kürzer und immer grauer werden. Leicht zu erreichen von vielen Städten Deutschlands und noch dazu in der günstigen Zeit, bevor die Preise dann um die Weihnachtszeit wieder um das Doppelte aufschlagen.

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Reiseplan

Bevor wir unsere Reise durch einen Teil von Marokko begannen, haben wir viel über mögliche Routen recherchiert. Unsere Ziele dabei waren: ein Besuch in Marrakesch, eine Übernachtung in der Wüste, sowie ein paar Tage an der Atlantikküste. Das Ergebnis war entmutiend: es war wenig bis gar nichts darüber zu finden, wie ein Roadtrip mit den gewünschten Merkmalen durch Marokko aussehen sollte. Also haben wir in vielen Reiseführern und Blogs geschmökert, mit Freunden gesprochen und Reportagen angesehen, bis wir uns auf die folgende Reiseroute festgelegt haben, die mit dem Auto insgesamt 1328 km, 20 Stunden und 51 Minuten umfasst:

10-Tage-Rundreise durch Marokko

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Hier noch eine detailliertere Auflistung mit Angabe der Unterkünfte sowie der Wegzeiten zu den jeweiligen Orten. Bis auf das erste Riad, welches man nur direkt über deren Homepage buchen kann, haben wir alles über Booking.com abgewickelt und hier lediglich Übernachtungsmöglichkeiten mit Bewertungen von mindestens 8 Punkten, besser noch 9 Punkten gewählt. Die Erfahrung zeigt, dass sich hier tatsächlich die Spreu vom Weizen trennt und es gibt in Marokko wirklich viele hervorragende Unterkünfte, auch zum kleinen Preis.

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Es gibt lediglich einen langen Reisetag, den man natürlich auch mit einer zusätzlichen Übernachtung auf dem Weg entzerren kann. Es wäre aber nur ein Übernachtungsstopp, da sich (bis auf den Weg durch das Anti-Atlas-Gebiet selbst) nichts Sehenswertes auf diesem Teil der Route befindet.

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Top 4 der marokkanischen Spezialitäten

Tajines

Ein absolutes Muss bei jeder Marokko-Reise! Tajines werden in einem Tontopf mit spitzem Deckel über dem offenen Feuer langsam gegart und kombinieren üblicherweise Fleisch und Obst bzw. Trockenfrüchten. Am besten hat uns hier die Tajine mit Hühnchen auf traditionell eingelegten Zitronen und frischen Oliven geschmeckt. Aber auch mit Lamm, Fisch oder Meeresfrüchten kann man dieses Gericht sehr gut genießen.

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Thé à la menthe

Minztee gibt es überall: egal, ob in den belebten Souks von Marrakesch oder mitten in der Wüste. Wir haben den Tee zu Beginn immer ohne Zucker bestellt- großer Fehler! Er ist so bitter, dass er schon fast ungenießbar ist. Mit tonnenweise Zucker, wie ihn sonst immer nur meine Schwester in ihren Kaffee schüttet, ist er aber tatsächlich lecker.

Minztee

Pastilla

Pastilla gibt es sowohl süß, als auch salzig. Es sind Blätterteigpasteten mit verschiedenen Gewürzen, die mit Zimt bestreut werden und dadurch das typisch marokkanische Aroma erhalten. Achtung, sehr mächtig!

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Couscous

Insbesondere der „sekouss“ hat es uns angetan. Hierbei handelt es sich um eine Couscousspezialität, die mit Buttermilch, Arganöl und der Gewürzmischung Zatar übergossen und dann ähnlich wie eine Suppe gegessen wird. Natürlich haben wir alle Zutaten dafür nachgekauft, sodass wir dieses leckere Essen definitiv auch zu Hause bei einem gemütlichen Abend mit Freunden nachkochen werden.


Malerisches Marrakesch

Hier beginnt und endet unsere Reise: in der „roten Stadt“, dem „Paris der Sahara“, einem Stück unverfälschtem Marokko, das seine kulturellen Traditionen verteidigt: Marrakesch. Es handelt sich um die einzige marokkanische Metropole mit einer überwiegend berberischen Bevölkerung und zieht somit Touristen magisch an.

Souks

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Die Stadt mit knapp eine Millionen Einwohnern beherbergt die größten Souks Marokkos- kein Wunder also, dass man sich in diesen sich immer wieder ineinander verzweigenden Gassen verirrt. Souks sind basarähnliche, kleine Märkte mit vielen noch kleineren Marktständen, an denen die Berber ihre Waren verkaufen. Preisschilder sucht man vergeblich und ohne Handeln läuft hier nichts. Ein guter Tipp, wie man sich bei einem halbwegs vernünftigen Preis für beide Parteien trifft: 1/3 des zuerst genannten Preises zahlen, dann wurde man als Tourist nicht übers Ohr gehauen und der Händler hat dennoch etwas verdient. 

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Die Währung des Landes ist der Marokkanische Dirham (DH), der einen Umrechnungskurs von ca. 1:11 zum Euro hat und es empfiehlt sich bei einem Besuch in den Souks auf jeden Fall, ein paar dieser Scheine in der Tasche zu haben. Auch Münzen sind immer gut zu gebrauchen, um Trinkgelder für die überaus freundlichen Marokkaner bereit zu halten.

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Ein Spaziergang durch die Souks ist wirklich faszinierend. Die Händler sind nicht so aufdringlich wie ich es noch von meiner Reise nach Ägypten in Erinnerung habe und es ist völlig normal, dass ein Eselkarren durch die engen Gassen getrieben wird. Auch Mofas befahren die winzigen Straßen, sodass man immer auf der Hut sein muss. Nach einiger Zeit ist aber alles zu viel: der Geruch des gegerbten Leders, die Anpreisungen der Marktschreier, der Auspuffgestank der Zweitakter. Das ist dann der Zeitpunkt, schnellstmöglich eine der Straßen zu betreten, die wieder raus ans Licht führen, oder auf eine der zahlreichen Dachterrassen auszuweichen und sich das bunte Treiben von oben anzuschauen.

Palais de la Bahia

Insgesamt befinden sich am unteren Ende der Medina drei Paläste und es reicht, wenn man sich einen davon anschaut, da sie sehr ähnlich sind. Wir haben uns für den Palais de la Bahia entschieden, den man für 70 DH besichtigen kann.

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Übersetzt heißt dieser Ort „Palast des Glanzes““und beinhaltet die einstigen Privaträume eines Großwesirs und seiner vier Frauen. Sie sind über und über mit zelij, Stuckarbeiten und Zedernholzschnitzereien dekoriert. Der damals herrschende Sultan war so neidisch auf die prachtvollen Dekorationen, dass er Teiles des Palastes nach dem Tod des Weises plündern ließ.

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Nachtmarkt auf dem Djeema el Fna

Auch, wenn der Name schwer auszusprechen ist, sollte man ihn abspeichern. Wenn man eine Unterkunft in der Medina gebucht hat, fangen die Wegbeschreibungen meist auf diesem Platz an. Wenn man sich also verirrt hat (und das passiert nicht selten), am besten immer nach diesem Platz fragen und von dort der Wegbeschreibung folgen. 

Tagsüber ist dieser Platz nicht ganz so spektakulär. Man sieht auch hier, ähnlich wie in den Souks, viele Markstände und kann sich mit diversen Mitbringseln eindecken. Nachts aber erblüht dieser Platz zum Leben, wenn der berühmte Nachtmarkt in vollem Gange ist. 

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Die perfekte Aussicht auf diesen hat man von der Terrasse des Café de France, das die schlimmste Touristenfalle der Welt ist, aber eben den allerbesten Ausblick bietet. Man kann so von oben das bunte und heitere Treiben beobachten und sich irgendwann auch selbst heruntertrauen. An einen der vielen Essensstände kann man dann traditionell marokkanisches Essen zu sich nehmen, allerdings sind die Betreiber sehr, sehr penetrant.

Am Ende des Djeema el Fna befindet sich außerdem eine große Moschee, die im Sonnenuntergang ihren großen Auftritt hat.

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Where to eat

Ein wunderschönes Café/ Restaurant über den Dächern von Marrakesch ist das „Le Jardin„. Stylisch und modern eingerichtet werden hier typisch marokkanische Snacks gereicht und wenn man einen bequemen Polsterplatz auf einer der Dachterrassen ergattert, kann man hier ohne Probleme Stunden verbringen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.

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Auch einen Besuch wert ist das „Nomad“ am Place des epices, bei dem man auch auf der Dachterrasse eines ehemaligen Riads sitzt und gemütlich Minztee trinken, aber auch sehr gut essen kann. Es lässt sich auch in der kälteren Jahreszeit gut hier oben aushalten, da überall Heizstrahler aufgestellt sind. Richtig kalt wird es hier aber zum Glück gar nicht. Die Temperaturen im November bewegen sich durchschnittlich zwischen 17 und 24 Grad Celsius.

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Where to stay

Ein absolut Geheimtipp, aber preislich aus der oberen Kategorie ist das „Riad Snan 13„. Es hat Zimmer mit verschiedenen Themen anzubieten und ich würde immer wieder eine Übernachtung im Hammam-Zimmer buchen. Das Highlight hier: eine in den Boden eingelassene Badewanne hinter dem Bett! Profitipp: zu Hause Schaumbad einpacken und dann seine persönliche Hammam-Erfahrung starten.

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Riads sind eine typische Übernachtungsmöglichkeit in Marokko und ganz anders als der normierte Standard großer Hotelketten. Riads liegen in der Medina, also der Altstadt, und sind mehrgeschossige, alte Patriziervillen mit Dachgärten. Sie besitzen Innenhöfe, die meist bepflanzt, mit einem kleinen Pool ausgestattet und nach oben offen sind. So wirken sie wie innenliegende Gärten, zu denen die Zimmer abgehen und die einer Oase der Ruhe in der hektischen Betriebsamkeit der Medina gleichkommen. Und hier sind wir auch schon beim einzigen Nachteil angekommen: sie sind sehr hellhörig. Wer hier also empfindlich ist: Ohropax einpacken, aber auf keinen Fall auf diese Erfahrung verzichten.  In der Nebensaison bekommt man Doppelzimmer teilweise schon ab ca. 60 Euro pro Nacht.

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Filmkulisse Ait Ben Haddou

Wer die Serie Game of Thrones verfolgt, dem wird dieser Ort bekannt vorkommen. Es handelt sich um den wohl spektakulärsten Kasbahkomplex im südlichen Marokko, welches mit seinem roten Lehm und dem schneebedeckten Panorama des Atlasgebirge im Hintergrund wunderschön in der Sonne glitzert. Kasbah nennt man die kleinen Häuschen, die aus Stampflehm gebaut und mit etwas Maisstroh untermischt wurden- ein Material, das in der Sonne sehr schnell sehr hart wird. Man kann sich allerdings auch vorstellen, was mit diesem Materialmix passiert, wenn Regen hinabprasselt: Richtig, es löst sich auf. Daher sind nach Regenperioden, die zwar selten sind, aber dafür sehr heftig, auch immer wieder Ausbesserungsarbeiten an den Häusern notwendig. Ein bisschen sieht Ait Ben Haddou auch aus wie eine kleine getöpferte Stadt, die an den Rande eines Hügels geklebt und mit ein paar Palmen außenrum dekoriert wurde.

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Ungewöhnlicherweise wird hier kein Eintritt verlangt, lediglich für das Parken an der Hauptstraße in der Nähe der Moschee ist ein kleines Trinkgeld fällig. Man kann dann entweder über den Fluss (Achtung, nasse Füße!) oder über die 2011 erbaute Brücke zum Hügel laufen und den kleinen Ort darauf erkunden.

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Wenn man keine Lust auf große Menschenmassen hat, die aus Reisebussen strömen und über das kleine Dörfchen auf dem Hügel herfallen, dann sollte man definitiv am Morgen oder am frühen Vormittag eintreffen. So erlebt man die Kulisse dann um einiges erholsamer und intimer.

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Where to stay

Wir sind hier im „Riad Caravane“ in einem winzig kleinen Dorf untergekommen, das allerdings perfekt liegt, um das alte Kasbah zu erkunden. Von der Dachterrasse hat man eine perfekte und unverbaute Aussicht darauf, die Unterkunft hat einen kleinen Pool und das Abendessen ist hervorragend. Klare Empfehlung!

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Ab durchs Dra-Tal in die Wüste Zagoras

Der Weg zum nächsten Stopp der Route führt durch das Dra-Tal, eine der größten Flussoasen der Welt. Auf einer Strecke von etwa 100 Kilometern bewässert der Fluss Oued Dra ein Band von Gräsern und Dattelpalmen in einem satten Grün, hoch aufragende Kasbahs und ganze Dörfer aus Lehmhöfen.

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Das Dra-Tal gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften Südmarokkos. Der Fluss führt allerdings nur nach sehr starken Regenfällen noch Wasser und nur ganz selten erreicht er seine Mündung in den Atlantik.

Wüstentour

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Eines der Ziele unserer Reise war eine Übernachtung in der Wüste, welches in Tizi bei Zagora erreicht wurde. Wir haben diese Tour in unserer Unterkunft, Riad Lamane, gebucht. Dem Bruder des Besitzers gehört die Anlage „Caravane du Sud“ und dieser wiederum führt ein Wüstencamp. Für den einstündigen Hinweg auf dem Dromedar, einem Abendessen, der Übernachtung und dem Rückweg per Wüstentier sind 80-100 Euro pro Person fällig.

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Man muss allerdings anmerken, dass es sich hierbei um eine Wüste für Anfänger handelt. Fährt man anderthalb Stunden weiter südlich nach M’Hamid und startet von dort in die Wüste, bekommt man das volle Programm und ausschließlich Sanddünen. Da am darauf folgenden Tag aber der längste Streckenabschnitt der Reise bevorstand, haben wir uns dagegen entschieden.

Wer schon einmal auf einem Kamel oder Dromedar geritten ist, der weiß, dass es sich nur begrenzt um eine schöne Erfahrung handelt. Die Tiere bewegen sich zwar nur gemächlich vorwärts, doch man muss die Bewegungen bei jedem Schritt mit dem ganzen Körper ausgleichen, hinzu kommen mit der Zeit Schmerzen in den Oberschenkeln, da man diese die ganze Zeit anspannt und nach einer Stunde ist man dann doch ganz froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

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Belohnt wir man dann allerdings mit einem unverfälschten Sonnenuntergang, ohne Streulicht und Luftverschmutzung, bei dem man ganz viele Sonnenstrahlen für graue Tage sammeln kann. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es schnell kühl, sodass man für Ausflüge in die Wüste auf jeden Fall etwas wärmere Sachen einpacken sollte.

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Tafraoute im Tal der Ammeln

Hier ist der Weg das Ziel: die Fahrt nach Tafraoute führt über das Anti-Atlasgebirge und das ist wirklich eine Welt für sich. Dort oben befinden sich endlose Hügellandschaften und die gut ausgebauten Straßen führen in Schlangenlinien durch das wunderschöne und beeindruckende Panorama. Ein Picknick mitten im Nirgendwo ist wärmstens zu empfehlen.

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Das Tal der Ammeln wurde in diversen Reiseführern als ein Must-Do deklariert, also haben wir auch an dessen Anfang, in Tafraoute, einen Stopp eingeplant. Der Ort selbst ist eine kleine Oasenstadt mit 8000 Einwohnern und liegt 1000 Meter über dem Meeresspiegel im westlichen Anti-Atlas. Es verfügt über eine sehr bescheidene Infrastruktur und reicht gerade so für Selbstversorger. Für eine Fahrt durch das Tal der Ammeln oder als Ausgangspunkt für Wanderungen und Bergtouren ist es allerdings hervorragend geeignet.

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Das Tal erstreckt sich über ca. 15 Kilometer entlang an schroffen Granitwänden, in die imposante Kasbahs eingebettet sind. Die Bewohner sind Berber vom Stamm der Ammeln und dafür berühmt, aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit florierende Handelsunternehmen in den Großstädten zu betreiben. Das kann man sich in dieser Idylle allerdings nur sehr schwer vorstellen.

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Eine Sehenswürdigkeit auf dem Weg ist außerdem die „Tizourgane Kasbah„, die zu einem Gasthaus mit Fremdenzimmern umgebaut wurde. Sie ragt mitten im nirgendwo auf einem kleinen Hügel empor uns ist dank der vielen Mühen des Besitzers noch sehr gut erhalten.


Taghazout an der Küste

Das kleine Fischerdorf liegt nördlich von Agadir und im Süden erstrecken sich wunderschöne Sandstrände. In den 70er Jahren siedelten sich hier Hippies an und haben Taghazout zum Aussteigerort erkoren. Die Hippies gibt es nicht mehr, stattdessen zahlreiche Surfer, die sich bevorzugt am Surfer’s Pint 2 Kilometer nördlich von Taghazout treffen.

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Passenderweise sind wir hier im „Solhouse Taghazout Bay Surf“ untergekommen, einer super modernen Eco-Bungalow-Anlage mit angebundener Surfschule mit Yogakursen. Wir hatten einen eigenen, riesigen Bungalow mit mehreren Zimmern und gemütlicher Hängematte auf der Terrasse. 

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Dieser Ort ist ganz anders als alle bisherigen Unterkünfte und somit eine willkommene Abwechslung. Den Tag mit einer Yogaeinheit oder Joggen am Strand beginnen ist genau das, was man nach einem sehr langen Reisetag braucht. Wir hätten hier gut und gerne noch ein paar Tage dranhängen und so richtig die Seele baumeln lassen können. Aber wer weiß, vielleicht kommen wir ja tatsächlich nochmal zurück, wenn wir genau das brauchen!

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Paradise Valley

Auf dem Weg zum unserem nächsten Stopp, Essaouira, kann man einen Abstecher im Paradise Valley machen. Die Fotos, die wir vorab davon gesehen haben, sahen sehr vielversprechend aus. Die Realität dagegen nicht so sehr. Vielleicht sind wir auch zu verwöhnt von den Wasserfällen Jamaicas, aber diesen Ausflug kann man sich (zumindest zu dieser Jahreszeit) auch einfach sparen. Man fährt mit dem Auto über schlammige, holprige Straßen bis zu einem Parkplatz, von dem aus man eine ca. 30minütige Wanderung zu den Wasserfällen macht. Dort angekommen, wird man allerdings nicht wie erwartet von türkisblauem Wasser, schäumenden Fontänen und perlenden Vorhängen aus Wasser begrüßt, sondern von einer braunen Suppe, die aus braunen Felsen heraustropft. In diese Suppe sind dann Plastikstühle und -tische gestellt, an denen man sich überteuertes Essen und Trinken gönnen kann. Alles in allem kann man es am Ende immerhin noch als kleines Workout zwischen langen Autofahrten verbuchen.

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Hinter den Mauern von Essaouira

Dieser Ort ist der beste Beweis dafür, dass Städte ihren authentischen Kern auch nach dem Ankommen des Massentourismus beibehalten können. Die Medina ist noch vollständig erhalten und nur zu Fuß passierbar- ideal für Marokko-Neulinge, da sich alles innerhalb der Stadtmauern abspielt. Es fehlen penetrante Fremdenführer, da man die Medina leicht selbst erkunden kann, es gibt etliche Riads, leckere Fischrestaurants und ein breit gefächertes Angebot an Kunsthandwerk- perfekte Voraussetzungen für ein paar schöne Tage.

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Hier ist es nicht dreckig, nicht laut und nicht aufdringlich. Man fühlt sich sehr wohl beim Schlendern durch die Altstadt, die von der UNSECO auf die Liste der Weltkulturerbe gesetzt wurde, alle Markstände sind schön anzusehen und die Verkäufer sehr nett. Man kommt mit ihnen ins Gespräch und erfährt beispielsweise, wie das Glas, das man gerade in der Hand hält, mundgeblasen wurde. Es gibt viele kleine Cafés und Restaurants, die in den engen Gassen hinter den großen touristischen Läden versteckt sind.

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Where to eat

Ein Tipp ist das „Café Triskala“ mit seiner verwinkelten Architektur und dem ausgewählten Angebot an Speisen und Getränken. Zu empfehlen ist eigentlich alles, was gerade auf der Tageskarte präsentiert wird und auch die Preise sind angemessen.

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Auch eine Erfahrung, allerdings eine zunächst nicht ganz so entspannte, ist ein Mittagssnack in einer der Fischbuden. Sie bekommen den Fisch fangfrisch aus dem Ozean, sodass man eine riesige Auswahl hat. Die kleinen Stände befinden sich direkt vor den Mauern der Stadt.

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Das Problem an der Sache: ALLE möchten, dass man in die eigene Bude kommt. So kann man also nicht einfach entlang schlendern und sich das beste Angebot aussuchen, sondern man wird ständig angesprochen, von weitem gerufen, der Weg wird versperrt usw. Wir haben uns letztendlich für den Stand entschieden, der das alles nicht gemacht hat, sondern in aller Seelenruhe darauf gewartet hat, dass jemand interessiert zu ihm kommt. Schlauer Kerl!

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Man zeigt dann einfach auf alles, was man gerne auf dem Teller haben möchte und es wird frisch vor deinen Augen zubereitet. Sehr zu empfehlen sind Oktopus, Garnelen und Rotbarsch. Oder auch ein kleine Sardine als Vorspeise.

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Where to stay

Wir waren im „Riad Malaïka“ untergebracht, das sich mitten in der Medina befindet. Das Auto parkt man vor den Stadtmauern und wird dann von einem netten Mitarbeiter mit einem kleinen Gepäckwägelchen abgeholt und durch die belebten Straßen bis zur Unterkunft geführt. 

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Das Hotel ist außerdem bekannt für seine herausragende Küche, daher empfiehlt sich mindestens ein Abendessen „zu Hause“. Ratsam ist, dies vorab mit dem Hotel abzusprechen, da sie erstens nur fünf Tische haben und zweitens nur das einkaufen, was von den Gästen vorbestellt wurde. Natürlich werden auch hier leckere Tajines, aber auch andere Köstlichkeiten wie beispielsweise Ravioli mit Meeresfrüchtefüllung angeboten. Gegessen wird neben dem wohlig warmen Feuer am Kamin und es wird sogar leckerer, lokaler Wein zum Essen gereicht. Dies ist im islamischen Land Marokko keine Selbstverständlichkeit!

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Nice to know

Sprache

Seine Französischkenntnisse aus der Schule aufzufrischen schadet nicht! Ganz im Gegenteil, es erleichtert so einiges! Klar sprechen die Angestellten der Riads auch Englisch und auch die Markthändler können ein paar Brocken, aber wenn es ums Detail geht, greift Französisch. Außerdem mag ich es immer gerne, auch ein paar Worte der einheimischen Sprachen in Reiseländern zu beherrschen, in diesem Fall Arabisch: 

„salam“ – Gruß für alle Gelegenheiten

„afak“ – Bitte

„chukran“- Danke

„na’am“ – ja

„la“ – nein

„ash-hal?“- Wie viel?

„bezzaid“ – zu viel!

Und nun: auf ins Getümmel!

Hammam

Bekannt ist Marokko für die Herstellung von Arganöl. Die Bäume sieht man, genau wie Olivenbäume, fast überall und aus den Früchten wird in mühevoller Handarbeit das Öl herausgepresst. Dieses Öl ist dann fast ein Allheilmittel: man kann es zum gesunden Kochen benutzen, aber auch für die Haut ist es sehr gut. In den guten Wellnesstempeln, die in nahezu allen Großstädten zu finden sind, wird dieses Öl dann für Massagen verwendet. Es hinterlässt auch Tage später noch ein angenehmes Gefühl auf der Haut, doch macht leider die teilweise höllischen Schmerzen während der thai-ähnlichen Massage nicht wett. Danach sind alle Verspannungen aber tatsächlich weich wie Butter.

Traditionell ist außerdem ein Besuch im Hammam, der dann mit ebendieser Massage abschließt. Dazu wird die Haut zunächst in der Sauna oder warmem Wasser aufgeweicht, bevor alte Hautpartikel mit einem Peeling abgeschrubbt werden. Das Öl kann so noch besser in die Haut einziehen.

Mietwagen

Aufgrund der manchmal doch sehr abschüssigen Wege, die man zurücklegt, empfiehlt es sich, ein Auto aus der Kategorie „SUV zu mieten. Wir hatten das theoretisch zwar geplant, aber praktisch eine Babyversion eines SUV erhalten, mit der wir es zwar auch über Stock und Stein geschafft haben, aber es wäre wesentlich angenehmer mit einem geländefähigerem Fahrzeug gewesen. Dafür war unser Fiat Tipo sehr sparsam im Verbrauch und so haben wir für die knapp 1300 Kilometer nur ca. 75 Euro an Benzinkosten  und einmal ein paar Euro Mautgebühr für die Autobahn nach Marrakesch gebraucht.

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Kultur

Wenn man Marokko besucht, sollte man sich stets vergegenwärtigen, dass man Besucher in einem islamischen Land ist, dessen Gepflogenheiten sich doch stark von denen der westlichen Kultur unterscheiden. In der Öffentlichkeit sollte man als Paar von Liebesbekundungen absehen, als Mann kann man sich freuen, dass man (zumindest theoretisch) das Sagen hat,  und als Frau sollte man sich insbesondere mit der Kleidung an die landesüblichen Moralbegriffe halten. Das heißt nicht, dass man sich direkt nach Ankunft den gleichen Kapuzenumhang kaufen muss, den auch die Marokkaner tragen, sondern dass man nicht unnötig Haut zeigen muss und der Gesellschaft so seinen Respekt zeigt.

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Gesetze

Am Schluss noch eine Sache, vor der man sich auf den Straßen Marokkos in Acht nehmen sollte: der Polizei! Sie lauern überall und vor allem da, wo du am wenigsten damit rechnest. Ein Hinweis vorab: den Führerschein nach Möglichkeit nicht aus der Hand geben, da sie ihn sonst ohne direkte Bezahlung der Strafe nicht mehr rausrücken. Wir wurden des öfteren angehalten und zur Kasse gebeten: beim Überholvorgang die Geschwindigkeit überschritten: 150 DH. Ein offensichtlich defektes Auto (Warnblinker, langsames Fahren am äußerst rechten Rand, Handzeichen des Fahrers) mitten im Gebirge trotz durchgezogener Linie überholt: 400 DH. Am Ende der Reise waren wir die vorbildlichsten Fahrer, die man sich nur vorstellen kann: Exaktes Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit, Schulterblick und Blinker vor jedem Überhol- oder Abbiegevorgang, Halten an jedem Zebrastreifen, kilometerlang hinter lahmen Mofas hinterherfahren, um ja nicht auch nur in die Nähe der durchgezogenen Linie zu kommen, und natürlich an jedem Polizeibeamten mit übertriebenem Winken und einem Lächeln auf den Lippen vorbeifahren (und sie dabei nur innerlich aufs Schlimmste zu verfluchen). Es hat sich gelohnt und ist tatsächlich bei diesen beiden Strafzetteln geblieben. Der perfekte Beweis, das Skinners negative Verstärkung auch tatsächlich funktioniert!


Das war sie also, die Rundreise durch Marokko. Wir hatten eine Menge Spaß und konnten viele verschiedene Facetten des Landes kennenlernen. Besonders die beeindruckenden Landschaften zwischen unseren Stopps haben es uns angetan. Man kann stundenlang im Auto sitzen und aus dem Fenster schauen- es wird nicht langweilig! Früher, als ich noch klein war, habe ich mich dazu vors Aquarium gesetzt und die Fische beobachtet- heute mache ich eben eine Rundreise durch Marokko 🙂

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. malounami sagt:

    Die Fotos sehen traumhaft aus. Afis zhavorsa. RIP Khal Drogo.

    Gefällt 1 Person

  2. Jonas Werner sagt:

    Hallo und Danke für den hilfreichen Beitrag! Sehr schön Tipp.

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