Eine (kulinarische) Reise durch Amsterdam

Bereits zum dritten Mal verschlägt es mich nun in diese Stadt und jedes Mal ist sie aufs Neue faszinierend: die Grachten und zahlreichen Brücken, die sie überqueren; die typischen schmalen Häuserfronten, die sich am Wasser entlangreihen; und abertausende Fahrräder in den buntesten Farben sind einfach wunderschön.

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Ein Städtetrip hierher ist eigentlich zu jeder Jahreszeit zu empfehlen und ein Wochenende reicht aus, um in das interessante Flair einzutauchen. Der Name Amsterdam leitet sich übrigens ab vom „Damm, der die Amstel überquert“, den Fluß, der durch die Stadt fließt und sich in zahlreiche Grachten spaltet.


Reiseplan I: Freitag

Der erste Tag des Wochenendtrips nutzt man am besten, um am Vormittag noch ein bisschen Arbeit wegzuschaffen und sich am Nachmittag gemütlich ins Auto zu setzen und in ungefähr fünf Stunden hoch ans Ziel an der Nordsee zu fahren. Sehr empfehlen kann ich hier ein Hörbuch, am besten schön spannend, damit man es sich nicht zu gemütlich macht und einschläft. „Das Böse in uns“ von Cody McFadyen fesselt einen definitiv so sehr, dass man sogar nach Ankunft im Hotel noch weiterhören muss.

Besonders gut geht das im 4-Sterne Apartment-Hotel „Tweny Eight“ direkt neben dem Olympiastadion, in dem das olympische Feuer derzeit aber leider nicht leuchtet. Parken kann man im benachbarten Wohnviertel (21,60 Euro pro Tag und sonntags sogar ganz umsonst) oder in der Tiefgarage, die allerdings etwas teurer ist. Und mit einem schwäbischen Reisebegleiter wird natürlich stets die günstigere Alternative genommen!

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Hier kann man das Auto getrost stehen lassen und mit einem Tagesticket der öffentlichen Verkehrsmittel für 7,50 Euro am Tag die Stadt erkunden. Praktischerweise befindet sich direkt vor dem Hotel eine Bahnstation.


Reiseplan II: Samstag

Auch, wenn sich direkt vor dem Hotel samstags ein Markt und außerdem viele weitere Möglichkeiten zum Frühstücken befindet, sollte man außer einem Nespresso auf dem Zimmer daran vorbeilaufen und stattdessen mit der Bahn zur Lindengracht fahren und den dortigen, noch größeren und vielfältigeren Markt besuchen. Dann schnurstracks zum Fischstand laufen und dort eine typisch holländische Heringsplatte genießen.

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Für diejenigen unter euch, denen bei diesem Anblick nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, sondern es eher hochkommt, der kann beruhigt sein: Auf dem Markt gibt es auch zahlreiche Alternativen: frisch gepresster Orangensaft (1 Euro), Backwaren, Käse ohne Ende und sogar schöne Lederhandschuhe, weil man seine eigenen zu Hause vergessen hat, oder gar wohlig warme Hausschuhe aus Schaffell (die es leider nicht in den Recall geschafft haben).

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Würde man hier wohnen, würde man auf jeden Fall holländische Tulpen oder andere schöne Blumen mit nach Hause nehmen, die an jeder Ecke angeboten werden. Ein wirklich schöner Markt, auf dem man zu Beginn des Tages herumschlendern und viele unterschiedliche Eindrücke aufnehmen kann.

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Von hier aus läuft man weiter entlang der Grachten in Richtung Anne Frank Haus und macht immer wieder Halt an winzig kleinen Lädchen, an denen man einfach nicht vorbeilaufen kann. Nur zu gerne würde ich das Anne Frank Haus einmal von innen sehen, doch auch dieses Mal waren alle Online Tickets bereits Wochen im Voraus ausverkauft und die Schlange für die Tagestickets war so lang, dass der Samstag dann auch vorbei gewesen wäre. Wer das Buch oder den Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ gelesen bzw. gesehen hat, der wird sicher auch den Wunsch verspüren, einmal die Stufen bis ins Versteck der Familie Frank emporzusteigen. Aber gut, da muss wohl noch ein vierter Besuch her!

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Wer nach dem mittlerweile kilometerlangen Spaziergang durch ein schönes Viertel nach dem anderen ein kleines Hüngerchen verspürt, der sollte unbedingt im „Pluk“ halten. Unten ein Café mit selbstgebackenen Kuchen, Eggs Benedict und Poké Bowls und oben ein paar ausgewählte, gemütliche Sitzplätze- mehr braucht es nicht zum Glücklich sein!

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Hier kann man außerdem wunderschön handgefertigtes Keramik und Porzellan erstehen und dann zu Hause bei einem Tee aus einer der schönen Tassen in Erinnerungen an Amsterdam schwelgen. Besonders an den leckeren Rüblikuchen denke ich gerne zurück, da er fast so lecker wie mein eigener geschmeckt hat.

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Frisch gestärkt kann es weitergehen und wenn einem im November die Sonne auf die Nasenspitze scheint und man im wohlig warmen Wintermantel an den beeindruckenden Häuserfassaden direkt am Wasser entlang schlendert, kann man nicht anders als einfach den Moment einsaugen und ihn genießen. Man fühlt sich ein bisschen wie die kleine Maus Frederik, die jeden Sonnenstrahl sammelt, um sie dann an kalten und grauen Wintertagen herauszuholen und die Stimmung damit aufzuhellen.

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Je weiter man ins Zentrum von Amsterdam Richtung Hauptbahnhof vordringt, desto mehr Touristen tummeln sich auf engem Raum. Besonders auf dem Vorplatz des Palais op de Dam, dem Königspalast, der früher als Rathaus gedient hat, ist immer einiges los. Also lieber weiter in ruhige Gefilde und einem Geheimtipp von einem Freund folgen, der hier mal gelebt hat: ein Feierabendbier in der im Osten der Innenstadt gelegenen Brauerei „Brouwerij ‚t IJ„, die die Form einer Windmühle hat.

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Man kann hier die unterschiedlichsten Biere verköstigen und sich mit vielen Einheimischen unterhalten. Und weil ein Bier bekanntlich kein Bier ist, gönnt man sich gerne noch ein weiteres und kann sich dann gut gestärkt auf den Weg zum Abendessen machen. Man könnte auch in der Brauerei essen, in der es allerdings nur deftige Vesperplatten gibt.

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Dann doch lieber wieder zurück ins Viertel Oud-West, das sowieso auf dem Nachhauseweg liegt und einen Abstecher in die „Foodhallen“ machen, die uns wiederum eine Freundin empfohlen hat. Ich mag das Konzept dieser Hallen, die man sehr oft in größeren Städten findet: Leckere Essensstände säumen gemütliche Sitzmöglichkeiten und man kann sich munter durch eine kulinarische Welt probieren. Dabei wirkt es ganz und gar nicht so wie die amerikanischen Foodcourts in den riesigen Malls, sondern eher wie eine große hippe Bar, in der man Freunde trifft und den Abend gemeinsam verbringt. Hier kann ich einfach alles empfehlen, was wir gekostet haben: Tacos, Chicken Tikka Massala, Dim Sum Platten oder Fallafel mit Hummus, um nur ein paar der Leckereien zu nennen.

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Reiseplan III: Sonntag

Verlässt man früh genug das Hotel, kann man das 24-Stunden-Ticket des Vortages zumindest noch für die Fahrt in die Stadt nutzen. Ansonsten gibt es dort auch zahlreiche Parkmöglichkeiten (durchschnittlich ca. 5 Euro pro Stunde).

Es gibt zahlreiche Museen in Amsterdam, die allesamt sehenswert sind: Von Rembrandt, der auch hier begraben liegt, über Van Gogh und Banksy- für jeden Geschmack ist etwas dabei. Aber wenn das Wetter einfach nur traumhaft ist, gehe ich nur sehr ungern in Museen. Das ist für mich eine typische Schlechtwetterbeschäftigung und da das an diesem Sonntag ganz und gar nicht der Fall war, entschieden wir uns für eine Fahrt durch die Grachten im halboffenen Boot.

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Neben der anderen Perspektive vom Wasser aus lernt man hier viel Interessantes über die Geschichte Amsterdams. So wurde uns beispielsweise mitgeteilt, dass jedes Jahr durchschnittlich 16 Autos beim Versuch, seitlich einzuparken, im Wasser landen. Außerdem auch zahlreiche betrunkene oder bekiffte Touristen, die meinen, dass es ganz lustig sei, einmal in den Grachten zu baden.

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Wer mit dem Gedanken spielt, sich eines der ca. 2500 Hausboote zu kaufen, der muss tief in die Tasche greifen: selbst die heruntergekommensten liegen bei mindestens einer halbe Millionen Euro, aufwärts sind keine Grenzen gesetzt. Da diese aber sehr begehrt sind, kann man davon ausgehen, dass der Wert in den nächsten Jahren eher steigt als sinkt, da die Stadt das Anlegen von weiteren Hausbooten untersagt hat.

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Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die „Dancing Houses“, einer Häuserreihe, die etwas in Schieflage geraten ist. Amsterdam steht auf rund fünf Millionen Holzpfählen, die wegen des feuchten, sandigen Untergrunds notwendig sind. Da diese im Laufe der Jahrhunderte teilweise vermodert sind, machen manche Häuser einen schiefen oder verzerrten Eindruck. Passenderweise sind in diesen tanzenden Häusern nur Irish Pubs und andere Bars zu finden.

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Da auf den Grachten teilweise auch höhere Boote verkehren, gibt es an manchen Stellen Brücken, die zu beiden Seiten aufgeklappt werden können. Dies fand ein Regisseur so faszinierend, dass er diese Brücken sogar in einen der James Bond Filme eingebaut hatte.

Weitere architektonische Highlights finden sich auf der Strecke, so zum Beispiel das Technikmuseum Nemo oder das futuristische Gebäude der Filmakademie in Amsterdam Nord.

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Nach der 90minütigen Tour ist der Kopf dann auch voll und bereit für eine Stärkung. Auch an diesem Sonntag haben fast alle Geschäfte geöffnet, sodass man nochmal in aller Ruhe durch die Straßen schlendern und überaus wichtige Dinge kaufen kann.

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Im Makers Market neben den Foodhallen finden sich nur Waren von lokalen Künstlern und Händlern wieder, was sehr inspirierend für anstehende Adventskalenderideen ist. Solche Läden sind ein bisschen wie Kunstausstellungen auf modernste Art und Weise und ich halte mich sehr gerne und lange darin auf. Großer Vorteil, wenn man mit dem Auto da ist: man kann den Kofferraum vollladen. Großer Nachteil allerdings für den Geldbeutel.


Und so geht es langsam vorbei, das Wochenende in Amsterdam. Vollbepackt mit Kultur, Geschichte und viel gutem Essen und gutem Trinken hat es uns gezeigt, dass diese Stadt auch im Herbst eine Reise wert ist und es selbst nach mehreren Besuchen hier nicht langweilig wird. Noch ein letzter Kaffee in der Rösterei „Lot Sixty One“ und dann gehts ab nach Hause!

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Dank des spannenden Hörbuchs wird auch die Heimreise eine kurzweilige Angelegenheit und wenn man noch Zeit hat, kann man sogar schon den nächsten Kurzurlaub planen und so immer wieder ein schönes Fleckchen Erde entdecken.

Aber nicht vergessen: Immer schön anständig bleiben!DSC07380

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. malounami sagt:

    Tolles Wochenende. Und so lecker. Aber eine Frage hab ich natürlich: Wo ist der weltberühmte Brownie?

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    1. 5point8 sagt:

      Ist im Coffeeshop geblieben 😉

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