Chicago- A City Second To None

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„Sie nimmt dich mit
Nach Chicago, nach Chicago
Irgendwohin wo dich keiner kennt
Sie nimmt dich mit
Nach Chicago, nach Chicago
Dort wo niemand, niemand deinen Namen nennt“

(Clueso)

Hinweis zu Beginn: Zum Lesen dieses Blogbeitrags bietet es sich an, Clueso einzulegen und dann noch mehr in die Welt von Chicago einzutauchen (für Faule: Musik per Youtubelink beginnt beim Klick auf Clueso).


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Chicago, die Stadt am Michigansee mit 2,7 Millionen Einwohnern, hat mich vom ersten Moment an beeindruckt. Hier passt einfach alles. Es gibt eine Skyline, aber die Stile der Gebäude wechseln sich ab von Stahlbauten, historische Backsteinhäuser, riesige Kirchen aus Sandstein und natürlich die modernen Skyscraper. Das alles macht es interessant, anstatt typisch amerikanisch.

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Sie ist die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten und gewinnt als Handelsstadt immer mehr an Bedeutung. Bei einer Führung wurde sie sogar mit dem Silicon Valley in Kalifornien und den Silicon Hills in Austin, Texas verglichen. Wer weiß, vielleicht entsteht hier das nächste Stück der Silicon-Geschichte, da sich mehr und mehr  große Firmen einen Sitz zulegen.

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Durch die Stadt fließt der Chicago River und daher gibt es sagend schreibe 37 Brücken, die sich nach oben aufklappen können- so viele wie in keiner anderen Stadt auf der Welt.   Es bietet sich also mehr als an, die Stadt auch vom Wasser aus zu erkunden. Man kann dem Verkehr auf den Straßen entfliehen, sieht so manches, was man von oben nicht sieht und man hat einen atemberaubenden Blick auf die gesamte Skyline vom Michigansee aus.

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Sicht auf Navy Pier, der touristischen Vergnügungsmeile

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Chicago gliedert sich in verschiedene Ebenen: man kann ganz unten am Fluß am Riverwalk entlang spazieren oder eine Etage höher auf den Einkaufsstraßen flanieren.  Außerdem gibt es dreigeschossige Autobahnen durch die Stadt, sodass man noch etwas höher hinaus kann. Dort fährt auch die Hochbahn ‚cta‘ entlang. Diese gab es früher auch in vielen anderen amerikanischen Städten, sie wurden dann aber nach und nach durch unterirdische Bahnen ersetzt. Nicht so in Chicago.

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Einen Spitznamen gibt es natürlich auch für diese Stadt, diesmal: the windy city. Witzigerweise ist sie nicht windiger als andere amerikanische Städte, aber der Wind, der vom Michigansee weht, wird durch die Wolkenkratzerschluchten kanalisiert und dadurch verstärkt, sodass der Name wahrscheinlich daher kommt. Es gibt auch noch andere Erklärungen, aber ich habe mich für diese hier entschieden 🙂

Übersetzt heißt Chicago übrigens ’stinky onion‘. Warum? Im ehemaligen Sumpfland , auf dem die Stadt gebaut ist, haben Zwiebeln die perfekten Bedingungen, um zu gedeihen und vor sich herzustinken. Zum Glück alles passé- die einzige noch übrige stinkige Zwiebel baut stattdessen große und größere Hotels.

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Art and Music

Das sind die beiden wichtigsten Dinge in Chicago und das ist auch nicht zu übersehen. In dieser Stadt hat der Blues seinen Ursprung, weshalb es jedes Jahr auch ein großes Blues Festival gibt. Die Bars hier sind – ganz untypisch amerikanisch- unter der Woche bis 3 Uhr nachts und am Wochenende sogar bis 5 Uhr morgens offen. Normalerweise geht in den Staaten kurz nach Mitternacht das Licht an, doch hier sind keine Grenzen gesetzt. Das spürt man besonders, wenn man in einem Hostel wohnt und sich das Zimmer mit Menschen teilt, die die Sperrstunde bis zur letzten Minute ausnutzen.

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Auch die Kunst hat einen hohen Stellenwert und so findet man zahlreiche Museen, aber auch viel Kunst auf der Straße. Das Werk mit den überdimensionalen Beinen hat mich besonders beeindruckt. Es ist von einer polnischen Künstlerin, die darin ihre Erfahrungen in einem Konzentrationslager verarbeitet. Eine andere Interpretation ist, dass dies die Sicht von Kindern ist, die sich in einer Menschenmenge befinden und aufgrund ihrer Größe nur Beine sehen. So muss es wohl auch vielen meiner Freunde gehen 🙂

Picasso hat eine große Installation mitten in der Stadt und auch Alexander Calder, den ich durch meine Kinder-Kunst-Ausstellung und im MoMa SF näher kennengelernt habe, hat seinen roten Flamingo hier stehen.

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Original
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Zweites Original 🙂

Und noch eine weitere, richtig coole Installation, die mich beeindruckt hat, findet sich im Millenium Park wieder. Die sogenannte ‚Crown Fountain‘ zeigt die Gesichter von zufällig ausgewählten Chicagoern, die zunächst lächeln und dann irgendwann den Mund aufmachen und Wasser spucken. Wenn man also schon immer mal von einem Menschen aus Chicago angespuckt werden möchte- go for it! An heißen Juli-Tagen auf jeden Fall eine willkommene Erfrischung.

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Chicago Beach

Wem diese Erfrischung nicht reicht, der geht einfach an den Strand. Das Tolle an Chicago ist die Nähe zum Wasser- nicht zum salzigen Meer, sondern zum Michigan“see“. Dieser See wirkt wie ein riesiges Meer und würde man das größte Gebäude der Stadt darin versenken, so würden nur noch die Antennen zu sehen sein.

Es gibt hier drei empfehlenswerte Stadtstrände und mir hat der Oak Street Beach am besten gefallen. Er liegt direkt am Ende der Straße, weshalb man ihn auch Street Beach nennt, ist einfach zu erreichen und wirklich schön. An der kleinen Bar bekommt man überteuerte Getränke und man kann sich auch noch teurere Liegen und Schirme ausleihen und sich sogar massieren lassen. Natürlich kann man sich auch einfach sein Handtuch schnappen und sich an den Strand legen- ab und zu ein Sprung ins Kühle nass und man könnte den ganzen Tag hier verbringen.

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Über den Wolken

In Chicago gibt es viele Rooftopbars und Skydecks: zum Beispiel ‚Chicago 360‘ auf dem Hancock Tower, einem der höchsten Gebäude Chicagos, oder die Plattform auf dem Willis Tower, ehemals Sears Tower, welches mit 104 Stockwerken DAS höchste Gebäude der Stadt ist.

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Oder man befolgt diesen Geheimtipp: man fährt im Hancock Tower mit dem superschnellen Aufzug eine Etage höher (96. Stock) in die Sky Lounge, spart sich den Eintritt von 23 Dollar für das Observation Deck und zahlt stattdessen 10 Dollar für einen Cocktail. Win-Win würde ich sagen. Die beste Sicht gibt es übrigens aus dem Damen-Badezimmer. Sorry, guys.

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Das alles ist aber nichts, wirklich nichts, im Vergleich zu einem Helikopterflug über Chicago. Ich bin zufällig auf dieses Angebot gestoßen und war sofort Feuer und Flamme. Mit einem Hubschrauber bin ich zum ersten Mal in Australien geflogen und wenn ich daran denke, fange ich sofort unwillkürlich an zu lächeln. Dieses Gefühl, wenn sich der Magen leicht anhebt wie bei der Schiffsschaukel, gepaart mit unglaublichen Aussichten ist einfach unbezahlbar. In diesem Fall allerdings schon, für schlappe 149$.

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Ich würde eine Tour bei Dämmerung empfehlen, da man hier die klare Sicht im Hellen hat, man aber auch sieht, wie langsam die Lichter angehen, die Nacht einbricht und Chicago sich von einer ganz anderen Seite zeigt. Und wenn man Glück hat, sieht man sogar noch den Anfang des Feuerwerks, das im Sommer zweimal pro Woche am Navy Pier stattfindet.

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Mag Mile

Die Kurzform von Magnificent Mile ist, wie man sich bereits beim Namen denken kann, eine Einkaufsstraße mit der Creme de la Creme der exklusiven Geschäfte. In einige davon kommt man nur mit Voranmeldung und Kreditcheck rein, damit man die Zeit der Angestellten nicht unnötig verplempert.

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Auch viele Restaurants und Bars mit schönen Terrassen befinden sich hier. Aber selbst wenn man sich die Preise in der Happy Hour leisten kann, so gibt es immer noch das Hindernis des Dress Codes und diesem konnte ich mit meinem „Ich erkunde die Stadt“-Freitzeitoutfit trotz der metallisch glänzenden Birkenstock leider nicht genügen.


Millenium Park | Food & The Bean

Dann also lieber zu einem der vielen Foodtrucks, die sich im Juli zum größten Street Food Festival der Welt, dem ‚Taste of Chicago‘ treffen, um eine der Spezialitäten der Stadt zu probieren: der ‚Chicago Style Hot Dog‘. Es handelt sich hierbei um einen ganz normalen Hotdog, allerdings mit einer Vielzahl an zusätzlichen Zutaten wie saure Gurken, Peperoni und Tomaten (außer Ketchup- der ist streng verboten!). Braucht man alles nicht, schmeckt aber lecker.

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Eine weitere kulinarische Spezialität in Chicago ist die ‚Deep Dish Pizza‘. Man kann sie vielleicht am ehesten mit einer Calzone-Pizza mit einer extra Portion Käse beschreiben. Wie bereits beim Hotdog gilt hier das Motto: ‚mehr ist mehr‘ und obwohl ich mir die kleinste verfügbare Portion bestellt habe, konnte ich zweimal davon essen. Sie braucht mindestens eine halbe Stunde Zubereitungszeit, da sie in einer hohen Backform wie eine Quiche gebacken wird. Hier meine selbst erstellte Variante mit schwarzen Oliven und Artischocken (ca. 10 cm hoch):

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Im Millenium Park befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit Chicagos, das Cloud Gate, von den Einheimischen auch liebevoll ‚the bean‘ genannt. Es ist ein Kunstwerk aus 168 hochpolierten Stahlplatten, was es wie flüssiges Quecksilber wirken lässt. Wenn man direkt davor steht, spiegelt sich die Natur des Parks und die Skyline wider und das sieht wirklich sehr schön aus. Dementsprechend natürlich auch ein großer Anziehungspunkt für Touristen.

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Außerdem ist hier der Buckingham Brunnen nach einem kleinen Spaziergang im Park zu finden. Er hat keinerlei Bezug zum Buckingham Palace, sondern hat seinen Namen einfach nur der Dame zu verdanken, die die Rechnung dafür bezahlt hat.

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Nach insgesamt 18,6 zu Fuß zurückgelegten Kilometern durch die schöne Stadt Chicago geht nun auch der letzte Stopp der (zunächst) letzten Amerikareise zu Ende. Es gibt so viel zu sehen, dass die drei Tage wie im Flug vergangen sind und es nun wirklich nur noch eine letzte Station auf der Route gibt: home sweet home!

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. malounami sagt:

    Ich habe noch eine weitere musikalische Empfehlung: Sweet Home Chicago – Blues Brothers. Die Stadt klingt toll, danke für die visuellen Eindrücke. Gute Heimreise!

    Liken

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